Do 3.11. | Kolumbien: Frieden nach 60 Jahren Krieg?

Referat, Fotos, Grafiken/  19 Uhr / Eintritt 3.-
Mit Gloria Cala und Erik Arellana

Haben Vernunft und Friedenswillen endlich gesiegt?

Nicht die eine oder andere Partei im über 50 Jahre währenden Krieg in Kolumbien zwischen Regierung, Militär und Milizen auf der einen,  Guerillaorganisationen auf der anderen Seite darf den „Sieg“ davon tragen sondern nur der politische und soziale Frieden. Alles andere wäre der Keim für neue Gewalt.


Die Verhandlungen für das am 26.09.2016 abgeschlossene Friedensabkommen zogen sich über 4 Jahre hin, waren gespickt mit Hindernissen, Rückschlägen und Risiken.
Jetzt scheint ein entscheidender Schritt getan nach dem Kolumbiens Bevölkerung aufatmen kann.
Noch aber ist eine weite Wegstrecke zu gehen. Ihre „Meilensteine“ werden in dem Vertragstext von fast 300 Seiten definiert. Deren Umsetzung soll von der UNO begleitet und überwacht werden:

–    am 2. Oktober 2016 soll Kolumbiens Bevölkerung in einem Plebiszit über Annahme oder Ablehnung des Abkommens abstimmen. Nach der zu erhoffenden Annahme müssen folgende in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzenden Probleme behandelt und gelöst werden:

–    Einigung auf eine umfassende Agrarreform über die eines der alten Konfliktpotentiale des Landes abgebaut werden muss. Eine ungleiche und extrem ungerechte Verteilung des land- und viehwirtschaftlich nutzbaren Landes führte seit kolonialen Zeiten immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bauern und Grossgrundbesitzern und auch zum Entstehen der Guerrillabewegungen. Die Produktivität des landwirtschaftlichen Sektors blieb nicht zuletzt wegen der extensiven Nutzung des Landes weit hinter den tatsächlichen Möglichkeiten zurück.

–    Umwandlung der Guerillaorganisation FARC in eine politische Partei die neben den bereits bestehenden Parteien des Landes um soziale und politische Ziele auf demokratischem, parlamentarischem Weg umsetzen zu können.
Über die „Unión Patriotica“ UP, wurde dieser Weg bereits einmal eingeschlagen, mit dem verheerenden Ergebnis, dass etwa 3000 ihrer Mitglieder, die sich um politische Ämter beworben, ermordet wurden.

–   Entwaffnung der Guerrilla und ihre Eingliederung in die Gesellschaft
Diese Entwicklung wird, so ist zu befürchten, sehr viel Zeit beanspruchen und zu Rückschlägen führen. Viele der Kämpfer/innen haben keinen Beruf erlernt, waren nur im Untergrund tätig, haben Verbrechen begangen.

–   Schaffung einer Sonderjustiz zur Erhebung von Anklagen und Verurteilung von Straftaten.
Die juristische Aufarbeitung der während 50 Jahren erbitterten Krieges begangenen oft schwersten Straftaten wird sehr viel Zeit beanspruchen, zumal diese sowohl von Regierung, Militär und Milizen als auch von der Guerrilla zu verantworten sind.

–    Entschädigung der Opfer des Krieges
Die FARC werden hiermit vor eine gewaltige Aufgabe gestellt von deren Lösung die Stabilität des Friedens wesentlich abhängen wird.

–    Aufgabe des Drogenhandels durch die FARC,
eine wesentliche Einkommensquelle sowohl für die Organisation als solche als auch für zahlreiche einzelne Kämpfer

Der Vorgänger des derzeitigen Präsidenten des Landes, Álvaro Uribe, ein „hardliner“
besonderer Art, ist entschiedener Gegner des Friedensabkommens und setzt alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ein, um das Abkommen scheitern zu lassen.
Sowohl mit populistischer Propaganda als auch über die von ihm gegründete Partei wird die Friedensvereinbarung bekämpft. Uribe setzte während seiner zwei Amtszeiten von 2002 bis 2010 auf eine militärische Lösung und strebte die völlige Vernichtung der Guerrillabewegungen an.

Über die Perspektiven des Friedensprozesses werden am 03. November 19.00 Uhr in der Werkstatt 3, Nernstweg 32, Altona

• Gloria Cala und
• Erik Arellana

berichten. Beide mussten ihre Heimat Kolumbien auf Grund persönlicher Bedrohung verlassen und leben seit einiger Zeit in Deutschland.

Veranstalter | FIAN
Veranstaltungsort | Seminarraum der W3, Nernstweg 32, Altona