Lateinamerikatage Hamburg

Mexiko: Das Ende der vierten Gewalt? Journalisten als Freiwild

Do 29.10. Vortrag, Podiumsgespräch & Diskussion / 19:00 Uhr / Eintritt: frei

mit Marcela Turati, mexikanische Journalistin und Autorin

Monica Avolio

© Mónica Avolio

mit Christian Mihr (Reporter ohne Grenzen) und Stefan Endter (DJV-Hamburg)?Moderation: Peter Burghardt (Süddeutsche Zeitung)
Mexiko befindet sich in einer schweren politischen Krise. Die verschwundenen (und wahrscheinlich getöteten) 43 Lehramtsstudenten von Ayotzinapa hatten im Herbst 2014 in der Bevölkerung das Fass der Empörung zum Überlaufen gebracht. Dabei gehen kritische Journalisten_innen immer häufiger ein tödliches Risiko ein, wenn sie ihren Beruf ausüben und auf Verzahnungen der organisierten Kriminalität mit Personen aus Wirtschaft, Politik und Drogenhandel hinweisen.
Ende Juli 2015 wurden in einer Wohnung in Mexiko-Stadt der aus Veracruz geflüchtete Fotojournalist Rubén Espinosa, die Menschenrechtsaktivistin Nadia Vera und weitere drei Frauen gefoltert und mit Genickschuss hingerichtet. Espinosa hatte soziale Bewegungen und Polizeiübergriffe dokumentiert. Der Gouverneur des Bundesstaats hat keinen Handschlag dafür getan, auch nur einen der 14 Morde an Journalisten in drei Jahren seiner Amtszeit aufzuklären. Die Täter bleiben in aller Regel straffrei.
Auch Mexikos Bundesregierung lässt kritische Journalisten auf eine Weise im Stich, dass sie de facto vogelfrei sind. Dass es überhaupt noch welche gibt, die sich um Recherchen auch zu heiklen Themen bemühen, grenzt an ein Wunder. Mit einem absoluten Machtanspruch wird die Gewaltenteilung ausgehebelt und die „vierte Gewalt“ bekämpft.
Die mexikanische Journalistin und Autorin Marcela Turati berichtet über die aktuelle Situation in Mexiko und diskutiert über investigativen Journalismus mit ihren deutschen Kollegen. Turati schreibt für das Wochenmagazin „Proceso“ zu sozialen Themen und Menschenrechtsfragen. Mit ihrem Buch „Fuego Cruzado: las víctimas atrapadas en la guerra del narco“ thematisierte sie erstmals die neue Welle der Gewalt in Mexiko. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2011 mit dem deutschen Journalistenpreis Walter Reuter.
Veranstalter: Amnesty International – Mexiko- und Zentralamerika-Koordinationsgruppe (CASA), Hamburg
Ort: Instituto Cervantes, Chilehaus, Eingang B, Fischertwiete 1, 20095 Hamburg